Zum Jahreswechsel 2025 / 2026

von Barbara Rolf, 1. Januar 2026

Dass etwas zu Ende geht und etwas Neues beginnt, geschieht ununterbrochen. Manchmal unbemerkt, manchmal lebensverändernd, manchmal, weil der Kalender es vorgibt.
 
2025 ist Geschichte, 2026 ein noch nahezu unbeschriebenes Blatt. 
Vor jedem Menschen liegt eines.
Was wird am nächsten Jahresende darauf zu sehen sein?
 
Sicherlich wieder vieles, was ungefragt hinzugefügt wurde: Vorhersehbares und Überraschendes, Ermutigendes und Entmutigendes, Witziges und Todernstes. Nachrichten von Frieden und Krieg, von Heilung und Zerstörung, von Wesentlichem und Banalem.
Was diese Einträge angeht, bleibt uns „nur“, über unseren Umgang damit zu entscheiden.
– Überlassen wir ihnen das Feld, weil wir vor ihnen kapitulieren oder weil wir unser Eigenes für zu unwichtig halten, um daneben zu stehen?
– Versuchen wir, sie auszulöschen, riskierend, nur noch damit beschäftigt zu sein oder unser Blatt zu beschädigen?
– Versuchen wir, sie zu ignorieren und den verbleibenden weißen Raum für unsere eigenen Kreationen zu nutzen?
– Oder setzen wir auf Integration: ihnen zunächst den Raum zu geben, den sie einnehmen, und sie dann zu verweben mit unseren Interpretationen und Reaktionen, unseren Gedanken und Erfahrungen, im Bewusstsein, dass denen ebenfalls Raum zusteht, dass sie wichtig sind?
 
Wen laden wir ein, an unserem Blatt mitzuarbeiten? Von wem wollen wir Feedback, und wem geben wir sogar einen Stift in die Hand – darauf vertrauend, dass so noch Besseres entstehen kann, als wir allein (er)schaffen könnten?
 
Schon seit vielen Jahren nehme ich mir zum Jahreswechsel nichts mehr vor. Doch für 2026 habe ich einen Wunsch: dass es – im ganz Kleinen wie im ganz Großen – ein wenig berechenbarer, verdaulicher, langsamer wird. Ein bisschen softer gegenüber einer Frau, die 50 wird, viele Fehler macht, in aller Regel jedoch ihr Bestes gibt.
 
Ich darf mich mit ein paar Blessuren, neu Gelerntem und vielfach gesegnet an mein neues Blatt setzen, in dem mir gerade möglichen Maß offen für das, was entstehen wird.
 
Auf eure Blätter, die ich aus der Ferne oder aus der Nähe betrachten darf, freue ich mich und bin gespannt darauf.
 
Weiter geht’s. 
Wir sind am Ende. Wir sind am Anfang. Wir sind mittendrin.