Absage für Hospiz
Von Wulf Wössner und Barbara Rolf, August 2025
Vertane Chance: Absage des Freiburger Gemeinderats für Hospizprojekt auf dem Crash-Areal wegen „fehlender Gemeinnützigkeit“ stößt auf Unverständnis
Der Freiburger Gemeinderat hat die Bewerbung von Wulf Wössner und Barbara Rolf für die Bebauung des Crash-Areals nicht berücksichtigt. Als knappe Begründung wurde angeführt, dem geplanten „Haus der Endlichkeitskultur“ fehle die Gemeinnützigkeit – eine Einschätzung, die das Initiationsteam überrascht und nachdenklich stimmt.
„Im ersten Moment war ich vor allem enttäuscht“, sagt Wulf Wössner, Geschäftsführer der WL Sozialimmobilien GmbH. „Wir haben Freiburg ein durchdachtes, höchstrelevantes und zukunftsweisendes 20 Seiten starkes Konzept vorgeschlagen, das fachlich und gesellschaftlich sehr breite Zustimmung gefunden hat. Vor diesem Hintergrund kam die Absage unerwartet. Für mich liegt der soziale, kulturelle und gesellschaftspolitische Nutzen unseres Vorhabens klar auf der Hand.“
Das „Haus der Endlichkeitskultur“ sollte ein vielfältiger Ort für den bewussten Umgang mit Sterben, Tod und Trauer werden. Herzstück des Projekts war ein Hospiz, das die etablierte bestehende Freiburger Hospiz- und Palliativarbeit ergänzt und stärkt. Darüber hinaus waren bezahlbare Wohnungen für Pflegekräfte sowie Studierende geplant, die sich im Haus engagieren. Auch sollten Bildungsangebote, kulturelle Formate und offene Dialogräume entstehen – finanziell getragen von einem nachhaltigen Modell. Das Konzept reagiert auf einen bereits bestehenden und künftig stark wachsenden gesellschaftlichen Bedarf, dem bisherige Versorgungsstrukturen nicht mehr gewachsen sein werden.
„Unser Ziel war nicht nur, ein Gebäude zu errichten, sondern einen gesellschaftlichen Raum für Begegnung, Austausch und Forschung zu schaffen – zu einem Thema, das jeden einzelnen Menschen betrifft“, erklärt die Theologin und Mitinitiatorin Barbara Rolf, Geschäftsführerin der noch jungen transitio GmbH für zeitgerechte Sterbekultur. „Dass dies als nicht gemeinnützig eingestuft wird, ist für mich nicht nachvollziehbar und nur erklärbar, wenn wesentliche Inhalte des Konzepts nicht hinreichend vermittelt wurden. Denn was könnte grundlegender für das Gemeinwohl sein als ein bewusster Umgang mit unserer eigenen Endlichkeit?“
Irritation löste zudem aus, dass einer zweiten Bewerbung trotz ebenfalls festgestellter Mängel die Möglichkeit zur Nachbesserung eingeräumt wurde. „Wir hätten uns gewünscht, diese Chance ebenfalls zu erhalten und im Verfahren zu bleiben“, so Wössner und Rolf, zumal ihrer Einschätzung nach die "Mängel" nur in der unzureichenden Vermittlung des Inhalts liegen können.
Dennis Rahneberg, Geschäftsführer der ACZEPTA-Gruppe und als geplanter Betreiber des Hospizes der Dritte im Bunde, lässt die Absage sprachlos zurück. In seinen Pflegeheimen erlebt er – trotz großer palliativer Kompetenz - immer wieder, wie Menschen außerhalb eines geschützten, angemessenen Raums sterben, der Komplexität, Individualität und Fragilität eines würdigen Todes gerecht wird. Dass dieser Bedarf nicht gesehen wird, stimmt ihn nachdenklich.
„Wir akzeptieren die Entscheidung, auch wenn sie für uns und viele, die unser Konzept kennen, nicht nachvollziehbar ist“, so Wössner abschließend. „Vielleicht zeigt sie sogar, wie notwendig unser Projekt wäre. Denn die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit ist kein verzichtbares Rand- oder gar Luxusthema – sie ist zentral für unser menschliches Miteinander.“