Die Toten (3)
von Barbara Rolf, 2022
Immer wieder beeindruckt bin ich von den Händen der Verstorbenen. Wie sie nach dem Eincremen gelöst auf der Decke liegen, in endgültiger Ruhe. Stundenlang könnte ich darüber nachdenken, was diese Hände im Laufe der Jahre getan, berührt, geschafft und geschaffen haben. Und plötzlich, von einem Moment zum anderen, gibt es nichts mehr für sie zu tun. Ein Gedanke, den ich gleichermaßen erschreckend wie tröstlich finde.
Der Tod ist so allgemein und natürlich, dass er auch etwas Banales hat. Zugleich gehört er zu den ungelösten Rätseln des Lebens, und er ist groß. Wie oft habe ich die Verstorbenen am Ende der Versorgung noch einen Moment betrachtet und versucht, etwas von dem aufzufangen, was sie ausstrahlen. Die meisten wirkten friedlich, einverstanden, angekommen auf mich, manche geradezu erhaben oder verklärt. Dann dachte ich mir, sie wissen jetzt, worüber sich die Menschheit seit Jahrtausenden die Köpfe zerbricht: Ob und wie sich Leben nach dem Tod fortsetzt.